Painkillers – Die Opiatkrise in den USA

NDR/DLF 2018, 53’26“

Nan Goldin, die berühmte New Yorker Fotografin, war opiatsüchtig. Nun geht sie gegen Familie Sackler vor. In den sozialen Medien und mit Aktionen in Museen. Denn die Sacklers gehören nicht nur zu den größten Spendern im Bereich von Kunst und Wissenschaft. Sie sind auch Eigentümer von Purdue Pharma, dem Hersteller von Oxycontin, einem Schmerzmittel auf Opiatbasis. Über fünzehn Milliarden hat die diskrete Familie seit 1996 damit verdient.

Als Folge davon erleben die USA derzeit die dramatischste Drogenkrise ihrer Geschichte. Mehr als hundert Menschen sterben täglich an Überdosen, denn viele Schmerzmittelabhängige steigen auf Heroin und anderes um. Nan Goldin fordert nun von den Sacklers, ihr schmutziges Geld nicht in Museen, sondern in Reha-Einrichtungen zu stecken.

Ein Feature über Pharma-Business und Politik und das Drogenelend in der US-amerikanischen Provinz, das die edlen Kunsttempel in den Städten finanziert.

Nominiert für den Prix Italia 2019

Kategorie Radio

Painkillers

Manuskript Painkillers NDR

Painkillers – Die Opiatkrise in den USA  | 2018 | 108 MB | ZIP

Nachtrag:

Um zu verdeutlichen, wie achtlos und zynisch der ärztliche Umgang Schmerz auch hierzulande häufig ist, gebe ich hier – anonym – eine Hörerzuschrift wieder, die mir zuging:

Guten Tag,

mit großem Interesse habe ich das o. g. Feature verfolgt und fühle mich als chronische Schmerzpatientin (Kopfschmerz) auch als Opfer der Mundipharma-Werbekampagne für Opiate. Seit 2003 (!) nehme ich „Targin“ (Oxycodonhydrochlorid), nachdem ich von einer renommierten deutschen Schmerzklinik in Kiel zunächst auf Morphin, später auf Targin eingestellt wurde. Es wurde uns (durchaus skeptischen) Patienten das Bild vom Einbrecher, der in ein Haus gelangen will, angeboten: Wer Paracetamol nimmt, gleicht dem Einbrecher, der mit der Brechstange ins Haus kommt und dabei die Tür demoliert, wer Opiate nimmt, gleicht dem Einbrecher, der den Schlüssel findet und elegant (!) ins Haus gelangt. Da ja quasi körpereigene Stoffe simuliert würden, sei das Ganze absolut ungefährlich und Deutschland eine Schmerztherapie-Wüste, die dringend bewässert werden müsse.

Ich würde gerne wegkommen von dem Zeug, stoße aber nur auf Schmerztherapeuten, die ebenfalls das hohe Lied auf Opiate singen. Deshalb hat mich eine Passage im Feature neugierig gemacht, in der Sie von etwa einem Dutzend großer Kliniken sprachen, die chronischen Kopfschmerz anders therapieren. Haben Sie darüber nähere Informationen für mich? An wen könnte ich mich wenden? Und wo und wie könnte ich einen Entzug versuchen? Mein Hausarzt ist die falsche Adresse, er schreibt mir –auch aus Respekt vor der großen Expertise der Schmerzklinik – ein BTM-Rezept nach dem nächsten auf.

Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn meine Mail nicht unbeantwortet bliebe!

 

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